Die freie westliche Welt ist sich mal wieder vollkommen einig. Ein frei gewählter Präsident wie Erdogan darf nicht weggeputscht werden. Daher stellt die EZ (18.7.16) die Frage an Staatministerin Aydan Özoguz als rhetorisch-suggestive Frage: Für den Putsch können Sie bei aller Kritik an Erdogan keine Sympathie empfinden – oder? Und Özoguz antwortet politisch korrekt: Nicht die geringste Spur!
Auch vor zwei Jahren war sich die freie westliche Welt vollkommen einig. Der frei gewählte Präsident der Ukraine Janukowitsch durfte weggeputscht werden. Nicht nur das: der Majdan-Putsch wurde vom Westen (EU und USA) mit Geld, Personal und Propaganda unterstützt. Hat Janukowitsch als Autokrat Grundrechte wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit missachtet? Hat er Kurden massakriert und die Todesstrafe wieder einführen wollen? Nein, hat er alles nicht, sonst hätte man das schon bei der Fussball-Euro 2012 bemerkt. Abgesehen davon, dass die massive Unterstützung der Majdan-Revolte so verfassungswidrig war wie der Putsch selber, war sie politisch strohdumm. Die Folge waren die russlandfreundlichen Aufstände im Osten und die Sezession der Krim, und ein schwerer Konflikt mit Russland mit den Sanktionen im Gefolge sowie heute der Nato-Aufmarsch im Osten Europas.
Wodurch also unterscheiden sich die beiden Autokraten voneinander, außer dass der eine etwas schlimmer ist? Wohl nur dadurch, dass der eine, der schlimmere, schneller für Geschäfte zu haben war, – auch wenn´s nur Flüchtlingsgeschäfte waren.
Leserbrief zum Interview mit den Staatsministerin Aydan Özoguz über Erdogan (EZ „Blanker Zynismus“ vom 18.7.16)