
Das Hauptgesetz des Kapitalismus besagt: Wirtschaftliches Wachstum erzeugt Reichtum, ohne Wachstum versinkt die Welt in Armut und Elend. Dass der Reichtum nur wenigen Auserwählten zugutekommt, ist nur Nebengesetz und statistisch unerheblich. Jeder weiß das, eine Erläuterung ist überflüssig.
Ein weiteres Gesetz, eines von geringerer Bekanntheit und von schwächerer Bedeutung, also auch ein Nebengesetz, ist dass Unfälle und Unglücke positiv in die Leistungsbilanz des Kapitalismus eingehen. Das ist logisch, Werner Sombart hat es bereits ausführlichst begründet und zu Evidenz erläutert: Was kaputt geht, muss wieder repariert oder produziert werden, die schlaff daniederliegende Arbeitskraft muss neu exploitiert werden, sodass der Reichtum steigt.
Diesem Nebengesetz wurde bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt, obgleich inzwischen der Gedanke in Kreisen gewisser Eliten immer mehr um sich greift, dies Nebengesetz in den Rang eines Hauptgesetzes zu erheben. Doch man scheut sich offensichtlich aus abergläubischen Bedenken das Kaputtmachesystem zum Lebens- und Weltzweck zu erheben. Warum? Je mehr und gezielter kaputt gemacht würde, um Reichtum zu erzeugen, desto näher wäre die Welt dem Paradiese. Es sind doch nur läppische moralische Bedenken, die dagegen sprechen, etwas vorsätzlich zu beschädigen oder zu vernichten.
Ansatzweise wird mithilfe gezielter Obsoleszenz bereits dieses Ziel in der Wirtschaft verfolgt. Fast jede Ware wird schließlich so produziert, dass sie kurz nach der Garantiezeit veraltet oder unbrauchbar wird. Das ist sinnvoll und zweckmäßig, aber nicht hinreichend, nur ein Tropfen auf das heiße Eisenblech.
Denn seien wir doch ehrlich: War das nicht immer so? Wir hatten den Traum bereits im Kindergarten: Dinge, die aufgebaut werden, sofort grundlos und gründlich zu zerdepppern. Baut man als Kind nicht eine wunderbare Lego-Burg auf, um sie schnellstens mit Schmackes platt- und puttzumachen? Der Vernichtungstrieb liegt also bereits im Menschen begründet, das stellte schon der schlaue Erich Fromm fest. Dass irgendwann ein moralischer Imperativ störend dazwischen getreten ist, um dem natürlichen Trieb entgegenzusteuern, das ist ein bedauerlicher und schädlicher Irrtum.
Dem wurde aber nicht immer nachgegeben, Vandalismen oder Kriege sind da bekannte Phänomene. Als Anfang 1999 Jugoslawien Vandalismusziel der NATO wurde, war der kategorische Imperativ ruckzuck ausgehebelt. Es wurden Städte bombardiert, Schulen, Krankenhäuser, Brücken, Züge, Kraftwerke. Ein Teil des überfallenen Staates wurde abgetrennt und mit einer neuen Verfassung versehen, die dafür sorgte, dass zwei verfeindete Ethnien sich weiterhin einen blutigen Kampf lieferten. Und damit nachhaltig für Reichtum sorgten. Leider war dieser Krieg auf wenige Monate beschränkt und dann unerwartet ohne Friedenserklärung beendet.
Erst Putin sorgte 22 Jahre später für eine angemessene Fortsetzung. Es lässt heute in der Ukraine Städte bombardieren, Schulen, Krankenhäuser, Brücken, Züge und Kraftwerke in Schutt und Asche legen. Ein Teil des Staates wurde schon Jahre zuvor abgetrennt. Als Voraussetzung für Vernichtungswillen wurde der nötige Hass implementiert, Religion ist da immer sehr hilfreich und vorausschauend. Anders als der überhastet beendete Jugoslawienkrieg dauert der neue kapitalistische Krieg schon über zwei Jahre. Ein Ende ist nicht abzusehen, er zieht sich fast schon zu lange hin für die ungeduldigen Oligarchen, die in den Startlöchern der Reichtumerzeugungsmaschinerie scharren und sich die Füße abfrieren.
Aber es ist ein Anfang, schüchtern und zaghaft zwar, doch immerhin…